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Das WETTERFRONTtube ® DBGM
(Sturmglas) Sept. 1998

Der nachfolgende Artikel wurde aus dem Buch von Hans Baumer, Sferics, Die Entdeckung der Wetterstrahlung, ISBN 3498004875 , Rowohlt Verlag, entnommen.

Auf die Bilder gehts zu den Naturwundern, auf die Seiten jeweils zu den Seiten des Artikels von Hans Baumer

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Kapitän Fitzroy und sein Sturmglas

Weitere wetterabhängige physiko - chemische Prozesse

Das Besondere an dem physiko-chemischen Prozeß im Fitzroy-Sturmglas ist nicht die Tatsache, dass er stattfindet, sondern dass dies in einem hermetisch verschlossenen Glasgefäß geschieht und so sehr leicht beobachtet und dokumentiert werden kann. Seit Jahren ist bekannt, dass es nicht nur einen Einfluß des Wetters auf lebende Organismen gibt, sondern dass auch einfache chemische Analysen und Reaktionen diesem Einfluß unterliegen.
Auf den verschiedensten Gebieten zeigte sich, dass die Ursache der auch dort immer wieder auftretenden Schwankungen außerhalb des eigentlichen Vorgangs liegen muss. Über derartige wetterabhängige Prozesse gibt es Unterlagen in so großer Zahl, dass ich hier nur stellvertretend einige wenige nennen kann.

Schon um 1930 begannen mikrobiologische Untersuchungen,
Quelle: Bortels, H.: Beziehungen zwischen Witterungsablauf ,physikalisch chemischen Reaktionen, biologischem Geschehen und Sonnenaktivität. Die Naturwissenschaften, Heft 8/1951
und 1938 entwarf B. de Rudder den Grundriß einer Meteorobiologie des Menschen
Quelle: Lehninger, A.L.: Biochemie, Verlag Chemie, Weinheim/New York 1977.

Allerdings wurden damals als Meßgrößen für eine Wetterwirkung nur die Tief- und Hochdruckwetterlagen gewählt. Es war nämlich schon in dieser frühen Phase der Forschung bekannt, dass für die Darstellung einer Biotropie die trivialen Parameter der Schulmeteorologie nicht in Frage kommen können. Dies ließ sich gerade bei den mikrobiologischen Versuchen sehr schnell und sicher nachweisen, da man hier mit zugeschmolzen gläsemen Kultugefäßen arbeiten konnte. 1942 war man in Berlin-Dahlem bereits so weit, von einer Wetterstrahlung zu sprechen, die auch durch eine überschwere Abschirmung von 25 Zentimetern Blei und 45 Zentimetern Eisen hindurch wirksam blieb. Man sprach von einer "H-Strahlung" und einer "T-Strahlung" (H = Hoch; T = Tief). Beide Strahlungsarten wurden unter dem Begriff - Wetterstrahlung zusammengefaßt.
Quelle: Bortels, H.: Beziehungen zwischen Witterungsablauf ,physikalisch chemischen Reaktionen, biologischem Geschehen und Sonnenaktivität. Die Naturwissenschaften, Heft 8/1951
Daß es sich um eine Strahlung handelt, zeigt sich auch an chemischen Fällungsversuchen
Quelle: Bortels, H.: Beziehungen zwischen Witterungsablauf ,physikalisch chemischen Reaktionen, biologischem Geschehen und Sonnenaktivität. Die Naturwissenschaften, Heft 8/1951
bei denen, wie im Fitzroy Sturmglas, die Kristallform und -menge des Fällungsprodukts von den Hoch und Tiefdruckwetterlagen gesteuert wird. Auch zeigt sich, dass Ergebnisse chemischer Analysen wetterabhängig waren: Der Nullwert der Meßlösung (Titer) wies besonders vor Gewittern auffällige Schwankungen auf,
Quelle: Caroli, A., SImmert, A., Herrmann R., Pichotka J., Unregelmäßige Schwankungen bei der Titrationin einen Kaliumjodidlösung mit Natriumthiosulfat. Arch. Met. Geoph. Biocl., Ser.B, 18, 1970
die auch bestehen blieben, als man die Versuchsanordnungen vor allem hinsichtlich ihrer Temperaturkonstanz optimal ausführte. Die Höhe dieser unerklärlichen Schwankungen betrug bis zu hundert Prozent Abweichung vom Nullpunkt. Sowohl G. Piccardi
Quelle: Piccardi, G.: Symposium International sur les relations entre phénomènes solaires et terrestres en chimie-physique et en biologie.Presses Académiques Européenes, Brüssel 1960. Piccardi, G.: The chemical basis of medival climatology, Charles C. Thomas Publ., Springfield 1962
als auch Eichmeier
Quelle: Eichmeier, J.: Über den Einfluß elektromagnetischer Strahlung auf die Wismutchlorig-Fällungsreaktion nach Piccardi. Int. Biometeor., Vol. 13, Nr. 3, 1969
versuchten, eine Erklärung für diese Schwankungen zu finden, indem sie ihr Augenmerk auf das bei der chemischen Reaktion verwendete destillierte Wasser richteten. Offenbar ist jedoch bei diesen Untersuchungen nur geworden, dass bei unveränderten Versuchsbedingungen die Schwankungsunterschiede ihre Ursache außerhalb der Versuchseinrichtung haben müssen. Durch R. Neuwirths Versuche mit zugeschmolzenen Reagenzgläsern
Quelle: Neuwirth, R.: Atmosphärische Einflüsse auf die Alterung eines anorganischen Sols. Sonderdruck aus Meteor. Rundschau, Heft 7/8, 1955.
kam die Vorstellung auf, dass als Verursacher nur radioaktive oder elektromagnetische Strahlen in Frage kommen, da man die Schwankungen durch geeignete Abschirmungen in gewissem Maße beeinflussen konnte. Bei den chemischen Experimenten suchte man auch nach einem Zusammenhang zwischen den Schwankungen und der Sonnenaktivität,
Quelle: Caroli, A., SImmert, A., Herrmann R., Pichotka J., Unregelmäßige Schwankungen bei der Titrationin einen Kaliumjodidlösung mit Natriumthiosulfat. Arch. Met. Geoph. Biocl., Ser.B, 18, 1970
doch da kein Unterschied zwischen Tag und Nacht festzustellen war, musste man schließlich annehmen, dass es zwischen der Sonne und den Analysenschwankungen ein noch unbekanntes übertragungssystem mit einer Speichermöglichkeit gibt unddass dieses System in Vorgängen in der Atmosphäre liegt. Zusätzlich wies man mit statistisch hoher Sicherheit einen ortsgebundenen Tagesgang nach, der von Wettervorgängen überlagert wird: «Jede Front, aber auch jedes Gewitter und jeder Schauer, zuweilen auch sich schnel lverstärkender oder auflösender Nebel, werden von einer Unregelmäßigkeit der Titer begleitet ... Die Störungen laufen immer regelmäßig ab. Sie unterscheiden sich nur durch Stärke und Dauer... Der größte Unterschied besteht zwischen Warm- und Kaltfront ... Die Titerwerte folgen sehr genau den meteorologischen Vorgängen, so genau, dass man versucht ist, den Frontdurchgang zeitlich nach dem Titerverhalten zu bestimmen.» '5 Dadurch wird die Annahme verstärkt, dass die Schwankungen in den chemischen Analysen mit der atmosphärischen Dynamik verknüpft sind. Auch die Streulichtversuche von 0. Harlfingerund K. Hummel
Quelle: Caroli, A., SImmert, A., Herrmann R., Pichotka J., Unregelmäßige Schwankungen bei der Titrationin einen Kaliumjodidlösung mit Natriumthiosulfat. Arch. Met. Geoph. Biocl., Ser.B, 18, 1970
mit zugeschmolzenen Reagenzgläsern, gefüllt mit einem eiweißartigen Polymer, führen zu der gesicherten Erkenntnis, dass Hoch- und Tiefdruckwetterlagen die wäßrig gelösten Makromoleküle beeinflussen. Bei allen Versuchen wurden immer wieder seit Jahrzehnten die großenteils übereinstimmenden Wetterreaktionen oder meteorotropen Effekte nachgewiesen - sei es

bei der Schwärmintensität verschiedener Bakterien,
dem Erreger des bakteriellen Pflanzenkrebses (Pseudomonas tumefaciens),
dem für den Kartoffelanbau so gefährlichen Pilz Phylophtora infestans,
dem Leuchtbakterium Vibrio Dunbar,
den charakteristischen Polkörnchen, der Diphteriebakterien,
der Farbstoffbildung des Bakterium violaceum,
der oxidativen Veränderung von Nährböden,
dem vegetativen Streckungswachstum der Bakterien und Zellen höherer Organismen,
der Volutinbildung der Hefeart Zygosaccharomyzes oder
bei der Gärung der Bäckerhefe,
der Herstellung von Gelatinekapseln in der Pharmaindustrie,
der Fotogelatine im Tiefdruckverfahren der Druckindustrie
und bei Fitzroys Sturmglas.

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